SERIE · II ELF BILDER · ZÜRICH · 2025
ἀναμόρφωσις

Anamorphosis

Eine Serie in elf Bildern – über Verwandlung, die geduldige Gewalt der Schere und die Frau, die danach im Spiegel ankommt.

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EINE NOTIZ DES PHOTOGRAPHEN

Sie kam zu mir am Ende von etwas. Zuerst eine Freundin, danach erst ein Modell – diese Reihenfolge war zwischen uns immer wichtig.

Wir haben lange geredet. Darüber, was wegfällt, wenn ein Kapitel leise zu Ende geht. Über das eigenartige Gewicht, in einem Körper still zu bleiben, der seiner aktuellen Form entwachsen ist.

Fast nebenbei sagte ich es laut: manchmal genügt ein Haarschnitt. Eine neue Linie am Kiefer, eine dunklere Farbe durch die Wurzeln gezogen – kleine, fast häusliche Handlungen, die erstaunlich oft eine Anamorphose auslösen können. Eine Wiedergeburt der Form.

Das Wort blieb bei uns. Wir liessen es zu einer Serie werden.

Ich habe das Glück, einen Master-Coiffeur zu kennen, dessen Arbeit ins Editorial-Hafte kippt – fast theatralisch. Er liess sich darauf ein, die dritte Hand im Raum zu sein, die mit der Schere.

Was folgt, ist das, was sich spontan an jenem Nachmittag entfaltete: der Stuhl, der Dampf, die geduldige Gewalt der Klingen, die langsame Verschiebung der Haltung, wenn jemand im Spiegel eine ungewohnte Version seiner selbst erblickt – und sehr leise beschliesst, sie zu behalten.

Es ist keine Haarschnitt-Geschichte. Es ist das Protokoll einer Frau, die aus einer Form heraus- und in eine andere hineintritt – in Echtzeit, photographiert von jemandem, der sie lange genug kennt, um an diesem Ort sein zu dürfen.

Das Modell in einer Drehtür, vollständig gestylt, dunkler Bob, scharf geschnittener Blazer. BILD · I
Der Coiffeur hebt sanft ihr Kinn, ihr Blick begegnet dem seinen. BILD · II
Sie geht durch den Salon, die Jacke offen, der Coiffeur unscharf hinter ihr. BILD · III
Das Kleid zu ihren Füssen, sie steht nackt da, der Blick zurück über die Schulter. BILD · IV

„Der erste Schnitt ist die Erlaubnis. Alles danach ist nur Schwerkraft."

Haare werden am Waschbecken gewaschen – Nahaufnahme ihres Gesichts, Hände an der Kopfhaut. BILD · V
Ein Handtuchturban; lange lackierte Nägel ruhen auf der Stuhllehne. BILD · VI
Oberkörperfrei, ein Handtuch hoch geschlungen, Spiegel verdoppeln sie im weichen Hintergrund. BILD · VII
Nackt auf dem Salonstuhl, Handtuchturban, Bein angehoben, der Blick auf das eigene Spiegelbild. BILD · VIII
Die Hand des Coiffeurs am Scheitel, der den Pony in Form bringt. BILD · IX
Nackt, Augen geschlossen, die Hände an den Schläfen im Licht der Tür. BILD · X
Letztes Bild – sie steht nackt in der Tür, blickt zurück, vollständig angekommen. BILD · XI
ἀρχή

Sie verliess den Salon als eine andere Zeitform ihrer selbst.

PHOTOGRAPHIE
John
MOTIV & MUSE
auf Wunsch ungenannt
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